Du bist schwanger und selbstständig? Herzlichen Glückwunsch!
Bei aller Freude solltest du dich jetzt unbedingt mit deiner Krankenversicherung und finanziellen Absicherung beschäftigen. Denn für Selbstständige gelten andere Regeln als für Angestellte, sowohl für die Zeit vor als auch nach der Geburt.

Beschäftigungsverbot

Nicht alle Schwangerschaften verlaufen nach Plan. Daher ist es aus gesundheitlichen Gründen manchmal notwendig, die Schwangere und das Ungeborene zu schützen und für einige Wochen oder während der ganzen Schwangerschaft von der Arbeit freizustellen. Neben einer Krankschreibung kann dies auch in Form eines sogenannten Beschäftigungsverbots geschehen. Dieses Verbot berücksichtigt auch körperlich fordernde Arbeiten oder den beruflichen Umgang mit gefährlichen Stoffen wie Chemikalien. Das Gehalt wird der währenddessen ohne Abzüge weitergezahlt.
Der Haken? Die Regelung gilt ausschließlich für angestellte Schwangere.
Ich selbst erhielt bei meiner ersten Schwangerschaft als Angestellte ein Beschäftigungsverbot. Damals eine große Erleichterung – physisch und psychisch. Es nahm mir viel Last von den Schultern und ich konnte – ohne finanzielle Sorgen – die Schwangerschaft noch einige Wochen ziehen. Mit der zweiten Schwangerschaft verhält es sich anders, denn ich bin mittlerweile selbstständig. Die Ärztin wollte mir wieder ein Beschäftigungsverbot aussprechen. Als sie hörte, dass ich jetzt meine eigene Chefin bin, erhielt ich seufzend die Antwort: Dann müssen sie selbst auf sich aufpassen.”

In der Theorie heißt dies, weniger Aufträge annehmen, mehr Pausen machen, Stress vermeiden … in der Praxis ist das oft nicht so einfach. Ein spannendes Projekt absagen? Vielversprechende Neukunden vertrösten? Das Arbeitspensum vorsorglich herunterfahren und im Nachhinein feststellen, dass es nicht nötig gewesen wäre? Finanzielle Einbußen in Kauf nehmen?
Weniger Arbeit bedeutet für Selbstständige meist automatisch auch weniger Geld. Für einige Wochen hat wohl (hoffentlich) der Großteil ein finanzielles Polster. Eine Schwangerschaft dauert aber deutlich länger. Einzig im Fall einer entsprechenden Krankenversicherung haben schwangere Selbstständige die Möglichkeit, Krankengeld zu erhalten. Dies greift in der Regel aber erst nach 6 Wochen. Du solltest dich also unbedingt mit deinen Finanzen auseinandersetzen und im Idealfall bereits bei Planung der Schwangerschaft ein finanzielles Polster für einen eventuellen Verdienstausfall aufgebaut haben.

Mutterschutz

Wie der Name deutlich macht, schützt das Mutterschutzgesetz (MuSchG) die Schwangere und frischgebackene Mutter. Die Regelungen sind jedoch nur auf Arbeitnehmerinnen ausgelegt und somit für deine Selbstständigkeit nicht relevant.
Dennoch kann es hilfreich sein, dich daran zu orientieren.
Arbeitnehmerinnen wird eine Mutterschutzfrist gewährt, in derer sie nahezu ausnahmslos nicht arbeiten dürfen. Die Mutterschutzfrist startet 6 Wochen vor dem geplanten Entbindungstermin und endet 8 oder 12 Wochen danach.
Auch wenn du diese Fristen als Selbstständige nicht einhalten musst, ist es ratsam dich und deine Gesundheit während der Schwangerschaft zu priorisieren und deinen Arbeitsplatz gegebenenfalls anzupassen. Das kann beispielsweise bedeuten, dir einen anderen Stuhl zu besorgen oder deine Zeit im Sitzen zu verkürzen und ab und an im Stehen zu arbeiten. Besonders in den Wochen vor und nach der Geburt solltest du dein Arbeitspensum kritisch hinterfragen und anpassen, wenn du dich nicht fit fühlst.

Mutterschaftsgeld

Als schwangere Selbstständige solltest du unbedingt deinen Versicherungsstatus prüfen. Ohne die richtige Versicherung erhältst du nämlich kein Mutterschaftsgeld. Frage daher unbedingt bei deiner Krankenkasse nach, ob du Mutterschaftsgeld bekommst.

Bist du gesetzlich versichert und hast ein Recht auf Krankengeld? Super! Dann erhältst du normalerweise auch Mutterschaftsgeld. Die Höhe des Mutterschaftsgeldes berechnet sich dann auf Basis deines Einkommens aus dem Vorjahr.

Du bist privat versichert? Dann schaut es leider düster aus. Derzeit zahlt keine private Krankenversicherung Mutterschaftsgeld. Du kannst höchstens Krankentagegeld erhalten, wenn eine entsprechende Krankschreibung vorliegt und dein Tarif eine Krankentagegeldversicherung umfasst. Außerdem gibt es für dich als Privatversicherte die Möglichkeit, beim Bundesversicherungsamt einmalig 210 € Mutterschaftsgeld zu beantragen. Das war es dann aber leider schon.

Elterngeld

Wenn du kein Mutterschaftsgeld erhältst, kannst du direkt nach der Geburt Elterngeld beziehen.
Anderenfalls erhältst du nach der Geburt zunächst weiter Mutterschaftsgeld. Meist 8 Wochen lang, außer bei Früh- und Mehrlingsgeburten. Daran schließt sich das Elterngeld an, was allerdings mit den ersten Monaten des Mutterschaftsgeld-Bezugs verrechnet wird.
Am besten beginnst du bereits vor der Geburt, den Antrag auf Elterngeld auszufüllen und trägst danach nur noch die Details wie Name und Geburtsdatum des Kindes ein. Das erspart dir die Bürokratie in der Zeit des Wochenbetts.

Die Höhe des Elterngeld wird bei Selbstständigen auf Basis des Einkommens des letzten Wirtschaftsjahres berechnet. Somit gilt das Kalenderjahr vor der Geburt des Kindes als Bemessungsgrundlage.
Unter Umständen kannst du beantragen, einen anderen Zeitraum als Basis festzulegen. Dies kann der Fall sein, wenn du in dem Zeitraum noch in Elternzeit für ein anderes Kind warst oder aufgrund schwangerschaftsbedingter Krankheit einen Einkommensausfall nachweisen kannst.

Einkommen, was du während des Elterngeldbezugs generierst, wird angerechnet. Am besten lässt du dich vorab von der Elterngeldstelle deiner Stadt beraten.
Wichtig für dich zu wissen: Du kannst zwischen den Bezugsmonaten auch Pausen einlegen. Zahlungen, die dir in dieser Zeit zufließen, werden selbstverständlich nicht angerechnet.

Elternzeit

Elternzeit ist die unbezahlte Pause vom Arbeitsleben und wird von Angestellten beim Arbeitgebenden beantragt. In dieser Zeit fällt normalerweise auch der Elterngeldbezug.
Da du als Selbstständige deine eigene Chefin bist, kannst du das Wörtchen Elternzeit direkt aus deinem Vokabular streichen. Du gestaltest deine Auszeit so, wie es dir, deiner Familie und deinem Business passt.

Unvorhergesehenes

Im besten Fall verläuft deine Schwangerschaft wie am Schnürchen, die Geburt ist ein Traum und dein Kleines und du starten gesund und munter in die gemeinsame Zeit.
Ich wünsche dir von Herzen, dass dies genau so passiert. Dennoch solltest du dir Gedanken machen, wie du mit Problemen während oder nach der Schwangerschaft umgehst. Das gibt dir Sicherheit, dass im Fall der Fälle alles geregelt ist. Denn es hilft weder dir, deiner Gesundheit, deinem Baby oder deinen Kunden, wenn du wider aller Umstände die Arbeit durchboxt.

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Maria

Maria

Business- und Marketing-Beraterin, Texterin

Hallo! Ich bin Maria und die Gründerin von home|office|mom. Hier unterstütze, inspiriere und motiviere ich Frauen wie DICH, ihr Business aufzubauen und ihre Träume und Pläne erfolgreich in die Realität umzusetzen. 

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