„Das Thema Kindergeburtstag habe ich komplett an meinen Mann abgetreten“, erzählt mir eine Freundin, die ich vor ein paar Tagen beim obligatorischen Mama-Kinder-Tratsch-und-Spiele-Nachmittag treffe. „Wenn ich mich zusätzlich zum Job und der Baustelle zu Hause darum auch noch kümmern muss, drehe ich durch!“ Was mir die Gute so ganz nebenbei erzählt, ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie leicht wir Mütter einiges von unserer Verantwortung abgeben können: Sie hat den Mental Load rund um den Kindergeburtstag, die Einladungskarten und Spiele „einfach“ ihrem Mann übertragen.

Und er macht es erst noch richtig gut. Er hat ausgefallene Einladungen für die Kinder gebastelt und plant den Ablauf dezidiert. Ich war und bin begeistert davon! Gleichzeitig habe ich mich ein wenig über mich selber geärgert, warum ich da nicht von alleine darauf gekommen bin. Denn mit der mentalen Last in den eigenen vier Wänden beschäftige ich mich schon länger.

Last wird zur Belastung

Patricia Cammarata, Autorin und Bloggerin zum Thema Mental Load, beschreibt in einem Vortrag vom Female Future Day 2018 das Problem folgendermaßen:

„

“…Der Begriff sagt nichts anderes, als dass es neben den sichtbaren Aufgaben im Alltagsleben sehr, sehr viele unsichtbare Aufgaben gibt, die nie explizit genannt werden, dennoch alle so nebenher identifiziert, bedacht, geplant und erledigt werden.”

Oh ja, da haben wir also die Übeltäter! Diese kleinen, miesen, unsichtbaren Aufgaben, die uns Müttern neben dem erfolgreichen Business, der perfekten Kinderbetreuung und dem gutaussehenden Frau-Sein den letzten Nerv rauben. Passende Wechselklamotten für den Kindergarten zusammensuchen, Übernachtungstasche packen, über das selbstgenähte Nikolaussäckchen im August nachdenken, neue Schuhe einkaufen und einfach mal recherchieren, welches Geschenk der Große zum Geburtstag von der Patentante bekommen soll – das sind sie!

Es dreht sich also vieles um Organisation, Kinderkram und das soziale Gefüge. Während wir beim Burn-out ausgebrannt vom Beruf sind, so geht es beim Mental Overload um das Private. Die Last in diesen Dingen tragen dabei in der Regel immer noch wir Frauen. Je mehr wir dann gleichzeitig schaukeln, uns kümmern, desto größer wird die Be-lastung für uns. Das Problem ist dabei nicht die Erledigung dieser einzelnen Aufgaben. Nein, dass ich daran denken muss, macht mir und meinem Gehirn auch schon jede Menge Arbeit. Teuflisch, oder?

Warum betrifft Mental Load uns Frauen?

Während der Mental Load für fast alle eine mehr oder weniger große Herausforderung darstellt, so wird er für mich als selbstständige Mutter im Homeoffice mit zwei kleinen Kindern, Mann und Haushalt zur Stolperfalle. Denn ich denke zu viel, an alles und gleichzeitig. Und das macht mich müde! Zusammen mit dem Schlafmangel durch zwei Kinder, die einfach nicht gerne ihre Augenlider von innen untersuchen, ist das eine denkbar schlechte Kombination.

Außerdem mache ich das schon seit längerer Zeit so. Bereits ohne Kinder hatte ich in meiner Partnerschaft die Geburtstage und wichtigen Termine auf dem Schirm. Mit der ersten Schwangerschaft kümmerte ich mich ums Elterngeld, Organisatorisches rund um mein Business und den optimalen Kinderwagen mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. 
Ich weiß, wo die Windeln im Angebot sind und wann wir welche besorgen müssen. Ich habe die Kinderarzttermine im Kopf, telefoniere mit der Uroma, schreibe Glückwunschkarten und lese Kinderbücher bis zum Umfallen vor. Nebenbei arbeite ich noch als Marketingberaterin; ich halte meine Deadlines ein, feile an Überschriften und telefoniere mit meinen Kunden.

Lösungen für Mental Load

Damit es erst gar nicht zum Overload kommt, gibt es verschiedene Ansätze zur Lösung des Problems. Ich habe gelernt, dass das nicht alles von heute auf morgen geht. Aber ich bin in einigen Bereichen schon sehr viel besser geworden. (Da klopfe ich mir jetzt mal kurz selber auf die Schulter, weil es ja sonst niemand tut!)


  1. Raus mit der Sprache

  2. Ich schreibe einen Artikel darüber, andere machen das per Sprachnachricht und wieder andere werden dem Partner gegenüber etwas lauter – sprich über dein Problem. Diese Last zu benennen und nicht in sich hineinzufressen macht es im Alltag für mich sehr viel leichter. Ebenso kann ich gut argumentieren, warum ich bestimmte Aufgaben abgeben muss.

  3. Ran an die Liste

  4. Direkt nach dem ersten Schritt folgt der zweite: Aufgaben werden am besten in schriftlicher Form delegiert. Ob du das in Form eine To-do-Liste, einer Excel-Tabelle oder an einem Whiteboard machst, ist egal. Schreibe auf, welche Kleinigkeiten zu tun sind und welches Familienmitglied sie erledigen soll. Bei uns arbeiten wir mit verschiedenen Tools. Für Einkäufe gibt es eine App, die sich synchronisiert. Für umfangreichere Projekte setzen mein Mann und ich auf ein Whiteboard und für die restlichen Dinge führe ich eine eigene Liste auf dem Handy.

  5. Zuständigkeiten definieren

  6. Mama übernimmt das Aufgabengebiet rund um die Gesundheit, Papa kümmert sich um Geburtstage. Eine Aufteilung der Aufgaben in verschiedene Ressorts kann gut funktionieren. Für meine Familie habe ich hier leider noch keine sinnvolle Aufteilung gefunden, über die man dann auch nicht mehr diskutieren muss. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

  7. Ade Perfektionismus

  8. Better done than perfect – diesen Spruch lese ich gerade bei vielen Coaches. Auch in Sachen Mental Load passt er ganz gut (wie eigentlich auf fast jede Situation). Wer Aufgaben abgibt, muss mit der Lösung des anderen zufrieden sein. So deckt mein Sohn den Tisch vielleicht nicht ganz so akkurat, wie es Herr Knigge so beschrieben hat. Aber: wir können pünktlich essen. Wenn eine Aufgabe erledigt ist, ist sie erledigt. Ich streiche sie von der Liste und versuche nicht mehr daran zu denken.

  9. Unsere Kinder sind die Zukunft

  10. Viele Rollen in den Familien haben wir von unseren Eltern und den Eltern der Eltern übernommen. Das alles ist also ziemlich tradiert und längst überholt. Ich will weg vom Bild der kümmernden Frau, die alle Kleinigkeiten im Kopf hat, hin zu einer Frau, die gleichberechtigt mit allen Mitgliedern in der Familie die Aufgaben erledigt. Darum zeige ich meinem Mann, meinen Söhnen schon heute, dass Haushalt und Familie viel mit Organisation und Denkarbeit zu tun hat. Ich beziehe zum Beispiel meinen Großen dabei ein, ein Geschenk für seinen Kindergartenfreund zu finden.
p

Wie führst du deine To-do-Liste?

Regine

Regine

Marketingberaterin, Strategin und Texterin

Hi, ich heiße Regine und bin als Selbstständige ein Homeoffice-Fan. Als Mutter von zwei quirligen Jungs schreibe ich im Blog über meine Learnings und wie ich Business und Familie gut unter einen Hut bekomme.

Mehr über home|office|mom und wie wir zusammenarbeiten können …