Seit geraumer Zeit sprießen zahlreiche Herz- und Herzensbusiness aus dem Boden – vor allem von Frauen. Der Begriff schwirrt schon seit einigen Jahren herum, nimmt aber derzeit immer mehr Fahrt auf. Genau wie die kleine oder große Schwester, das Seelenbusiness.

Herzensbusiness. Das suggeriert Leidenschaft, Einsatz und ganz viel Gefühl. Ja, GründerInnen eines Herzensbusiness lieben das, was sie tun.

Aber mal ehrlich …

Zu tun, was man liebt und gleichzeitig Geld zu verdienen? Klingt gut. Zwar kann ich mir damit weder die Buchhaltung noch die Bürokratie schönreden, aber natürlich spiegelt meine Selbstständigkeit auch mein Interesse wider. Wäre auch schade, wenn nicht. Aber das allein reicht offenbar nicht, um ein Herzensbusiness zu führen. Es fehlt die Leidenschaft, die Erfüllung und die Schmetterlinge, welche beim Reden über das eigene Leistungsangebot im Bauch herumflattern. Die Arbeit kommt, so wird es suggeriert, eben einfach nicht aus dem Herzen.
Das ist jedoch kein Problem, denn es gibt Abhilfe. Wer sein Herzensbusiness noch nicht entdeckt hat, findet Coachings, Mastermind-Gruppen, sogar Kongresse und Podcasts rund um den erfolgreichen Start ins herzige Unternehmen. Das Geschäft mit dem Herzen läuft also scheinbar ganz gut.

Kaum verwunderlich, wenn Einnahmen aus unherzlichen Tätigkeiten von manchem als Schmerzensgeld betitelt werden. Wer will schon sein Geld damit verdienen, selbst psychische oder physische Schmerzen zu erleiden? Eine eher gruselige Vorstellung. Dann doch lieber Kunden wie ein Magnet anziehen. Ein nettes Versprechen: Mit einem eigenen Herzensbusiness würde mir scheinbar ohne Schwierigkeiten und Werbung jeder die Bude einrennen, mir das Geldbündel strahlend in die Hand drücken und sich seines Lebens freuen. Toll. Leider derzeit keine Realität für mich, denn mein Herzensbusiness gibt es (noch?) nicht. Ich muss noch ganz fad auf Kundenakquise, Netzwerken und Co. zurückgreifen.

Schauen wir uns also mal wahre Herzensbusiness an. Welche zu finden, ist gar nicht so schwer. Zumindest auf Social Media fallen sie durch die zuhauf genutzten Emoticons der BetreiberInnen direkt ins Auge. Zumeist Herzen, natürlich. Ob HochzeitsfotografInnen, YogalehrerInnen oder ErnährungsberaterInnen, in zahlreichen Branchen finden sich Selbstständige mit Herzensbusiness. Auch in welchen, die ich eher weniger erwartet habe.
Letztens sah ich ein Angebot samt „Das ist mein Herzensthema!“ plus obligatorischem Herz-Emoticon. Schön, denke ich, wieder eine Person mehr, die ihr Herzensthema gefunden hat. Was es war? Nein, keine HundekeksbäckerIn, auch keine KuscheltierdoktorIn. Es ging um SEO-Beratung. Genau, Volltreffer. Suchmaschinenoptimierung. Google-Algorithmus, Ranking-Faktoren und Snippets. Nun bin ich gar nicht drumherum gekommen, mir es direkt bildlich vorstellen. Ich wache früh auf, lächelnd und voller Vorfreude darauf, stundenlang Keywords zu recherchieren, Alt-Tags zu formulieren und Bilddateien zu benennen. Das wohlige Gefühl im Bauch, wenn die Kundenwebsite von der Unsichtbarkeit auf Seite 8 gehüpft ist. So schön.

Hach. Jetzt ist mir doch etwas warm ums Herz geworden.

Maria

Maria

Business- und Marketing-Beraterin, Texterin

Hallo! Ich bin Maria und die Gründerin von home|office|mom. Hier unterstütze und motiviere ich Frauen wie DICH, das eigene Business aufzubauen und Pläne erfolgreich in die Realität umzusetzen. Auch kommentiere ich gerne aktuelle Trends und Eigenheiten der Marketing- und Business-Welt.

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